FAZ - Kritik

Mitreißende Magierin – Kritik aus der FAZ vom 13.07.2004

Nicht weniger als drei Solokonzerte präsentierte das im Jahr 1997 von Gidon Kremer gegründete Streichorchester „Kremerata Baltica“ anlässlich seines Konzertes beim „Rheingau Sommer“ der Burghofspiele Eltville. Ermöglicht wurde dies, weil Mitglieder des Ensembles den jeweiligen Solopart in Joseph Haydns Konzert für Violoncello und Orchester D-Dur und in Alfred Schnittkes „Monolog für Viola und Streichorchester übernahmen.

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Zum unbestrittenen Höhepunkt des Abends geriet der Vortrag des für Klarinette und Streichorchester eingerichteten Klarinettenquintetts B-Dur op.34 Carl Maria von Webers. Selten paaren sich mitreißende Energie und gestalterische Potenz so bezwingend wie bei der Klarinettistin Nina Janßen, die hier mit ihrem hochvirtuosen Zugriff auch das Orchester zu Bestleistungen anspornte. Frappierende Leistungen erzielte Janssen mit ihrer Klangbeherrschung. Im „Fantasia“ betitelten Satz modellierte sie Sequenzen von geradezu unirdischer Reinheit, die sie in empfindungstief- irdische Klangszenarien überführte. Solcherart wiederholt den Weg zwischen Himmel und Erde ausmessend, ließ die Klarinettistin keinen Zweifel daran, dass es derzeit wohl bekanntere, aber kaum größere Meisterinnen ihres Faches gibt.

Benedikt Stegemann