Kritik FR Portraitkonzert

Spiele im Raum

Kölner Klarinettenklang von Nina Janßen in der Deutschen Ensemble Akademie

Ich muß mich ein bißchen schön machen, das dauert ein bißchen...”: Nina Janßen rief´s vor Karlheinz Stockhausens “Der kleine Harlekin” dem Publikum in der Deutschen Ensemble Akademie aus der Kulisse zu. Das würde nicht jeder Neue-Musik-Solist tun, aber zu der in Köln geborenen Klarinettistin des Ensemble Modern passt es gut: ein munteres und dynamisches Wesen, von dessen Art viel im sehr plastischen und volumenreichen Klang des Instruments widerscheint. Als Dozentin ist die 1972 Geborene in Asien und Lateinamerika aktiv - auch das passt. Bei Stockhausen hatte die Kölnerin einen klaren Heimvorteil: Das bei dem 1975 entstandenen Werk geforderte performative Talent lag in besten Händen. Und Füßen, denn der Strukturierungsfanatiker Stockhausen lässt nicht nur die Finger auf den Klarinettenklappen tanzen, sondern auch die Füsse, deren Step-Klänge die zweite Stimme geben. Natürlich sind auch die Gänge auf dem Podium, die Gesten der Musikerin Teil der Harlekin- Totalität, die bei aller Spiellaune die Marionettenfäden der typisch stockhausenschen Verklemmtheit nicht loswerden kann.

Ein Spiel im Raum war auch die zehn Jahre später entstandene Komposition Pierre Boulez´”Dialogue de l´ombre double”, wo vom Solisten live gespielte und aufgezeichnete Teile sich abwechseln. Die Konservenklänge in umfassender Ausstrahlung im Raum - die leibhaften im Zentrum: der hochvirtuose Novissimo- Klassizismus als Begegnungsstätte, wo sich der tote und der lebendige Klang, das Vergangene und das Gegenwärtige auf derselben Ebene der ästhetischen Wirklichkeit treffen. Grandios, was die Solistin hier bot an wirbelnden, sich pausenlos transformierenden Tonkonstellationen.

1998 entstand Johannes Maria Stauds “Black Moon”, eine dunkel rauschende Tonkaskade, der Janßen mit der Uraufführung von Mark Andres “iv3” ein Klangformat der Sorte still und brüchig entgegensetzte.

Dass Nina Janßen sich auch dem klassisch-romantischen Repertoire widmet, kam ihr bei Jörg Widmanns “Fünf Bruchstücken” (1997) und Alban Bergs “Vier Stücken für Klarinette und Klavier op. 5” von 1913 zugute. Beides Komponisten, denen neue Klangformen keine ehrfurchtsgebietenden Devotionalien sind, sondern Mittel, um gut und reizvoll zu klingen.

Bernhard Uske        26.02.2008     Frankfurter Rundschau