Kritik Kassel

Große Wirkung    Kammerkonzert zum Holocaust-Gedenktag

Susanne Pfeffer von der Redaktion Kammermusik des Hessischen Rundfunks begrüßte die zahlreichen Zuhörer in der Lutherkirche, die auf Einladung der Jüdischen Gemeinde Kassel, der Deutsch- Israelischen Gesellschaft, der Gesellschaft für Christlich- Jüdische Zusammenarbeit und des Evangelischen Forums gekommen waren. Pfeffer wies darauf hin, daß dieses Konzert unter dem Motto “Jüdische Lieder ohne Worte” als Zeichen für Erinnerung und Versöhnung stehen soll.

Fast wäre das Konzert ausgefallen, wäre nicht die Klarinettistin Nina Janßen kurzfristig eingesprungen. Sie war aber keineswegs “Ersatz”, sondern begeisterte durch ihr ausdrucksstarkes Spiel. Nina Janßen, die sich nicht nur dem klassisch- romantischen Repertoire verschrieben hat, sondern sich auch rege der zeitgenössischen Musik widmet, spielt nicht einfach ihr Instrument, sie zelebriert die Töne, sie unterstützt ihre Wirkung mit dem ganzen Körper: Janßen ist das Instrument. Nicht weniger schwungvoll und begeisternd musizierte mit ihr Oliver Triendl am Flügel.

Von kurzer Vorbereitungszeit war nichts zu spüren, das mit Mendelssohns Sonate Es-Dur begann und in Leonard Bernsteins eher auf jüdischen musikalischen Traditionen basierenden Sonate für Klarinette und Klavier fortgesetzt wurde. Mit großer Spannung hörte das Publikum die “Drei hebräischen Gesänge ohne Worte” von Julian Krejn ( 1913-1996 ) mit ihrem teils verhauchenden Pianissimo. Die Sonate Es-Dur op. 120/2, die Johannes Brahms 1894 schrieb, beschloss das Konzert, dessen Programm durch zwei Solostücke für Klavier von Ignaz Moscheles und für Klarinette von Olivier Messiaen ergänzt wurde. Mit der Romanze in G-Dur von Max Reger wurden die Zuhörer in dem Bewußtsein auf den Heimweg geschickt, mit kleiner Besetzung große Musik gehört zu haben.

Von Gerhard Raßner               HNA Kassel vom 30.01.2006